POETRY : GÄNSEHAUT VOM LEBEN

Poetry

Gänsehaut vom Leben

Wir stehen da,
ziemlich angetrunken leicht bekifft.
Überall sind Menschen und Menschen und Menschen
eng aneinander,
jeder wartet darauf, dass es anfängt,
dass es endlich los geht
und wir warten und sind alle voller Adrenalin,
oder auch nur ziemlich betrunken und leicht bekifft.

Wir stehen da,
Millimeter trennen unsere Körper
eine Menschenmasse doch wir sind eins geworden,
können uns nicht trennen,
weil kein Platz da ist.
Wir fangen an zu schwitzen obwohl die Musik nicht mal spielt,
wir fangen an zu schwitzen weil es warm ist
oder auch nur weil wir ziemlich betrunken und leicht bekifft sind.

Wir stehen da,
und warten
denn gute Bands sind ja immer zu spät
und wir grölen und schreien jetzt schon
doch niemand ist zu sehen
und wir grölen und schreien und lachen jetzt schon.

Wir stehen da,
und die Musik fängt an zu spielen
wir hören den ersten Ton
und alle werden noch lauter
und noch wilder
und für Außenstehende
muss das ziemlich komisch aussehen
denn wir sind eine Masse
ein Körper der sich nach rechts und nach links
und nach oben und unten bewegt.

Und wir hier in der Menge
sehen nichts außer uns,
die Menschen
verschiedene Körper
die Bühne
die Band
Lichter
die auf uns strahlen
und wir hören nicht nur die Musik
nein wir spüren sie.

Wir stehen da,
und jetzt ist kein halt mehr
wir können unser breites Grinsen nicht verbergen
wir halten die Hände in die Luft
und singen zur Musik
wir singen zur Musik
und wir singen nicht nur
wir fühlen
wir fühlen
wir fühlen
wir fühlen die Musik
wir fühlen den Schweiß auf unserer Haut
wir fühlen den leichten Sommerregen
wir fühlen Menschen rechts und links und über und unter uns
wir fühlen Ellenbogen im Rücken
und wir fühlen Füße auf unseren Füßen
und wir fühlen Hände wo Hände nicht sein sollten
wir tanzen auf zwei Millimeter
wir rasten aus und schnappen nach Luft
lachen lauthals und bewegen uns zur Musik
unser Körper pulsiert.

Wir halten unsere Hände hoch
weit ausgestreckt in den Himmel
als wenn wir die Sterne greifen könnten
wir halten sie so hoch wie wir können
denn jetzt gerade in diesem Moment gibt es kein Limit.

Haare wehen uns ins Gesicht und bleiben kleben auf nasser Haut,
die Musik übertönt jegliches Lachen und grölen
jegliche Geräusche die wir aus unseren Mündern entgleiten lassen
werden übertönt
lediglich der gemeinsame Text den wir zur Musik singen
klingt wie ein eingestimmter Chor
Niemand kennt sich
oder niemand kennt den Menschen neben sich
denn wir haben schon längst alle verloren.

Und doch sind wir gerade in diesem Moment
in dem wir die gleichen Zeilen singen
sind wir eins
wir gehören alle zusammen.

Und wir reißen alle zusammen die Hände in die Luft
und jeder von uns lacht
jeder von uns lacht
jeder von uns lacht
und lacht
und lacht
denn was wir hier gerade erleben
was wir hier gerade spüren und schmecken und riechen
ist das pure Leben.

Es ist dunkel
wir stehen also da
jeder für sich
wir stehen da jeder für sich und
alles was wir sehen sind Lichter
Scheinwerfer die auf uns strahlen
Bengalos werden angezündet
rot und gelb leuchtet in der Nacht
Rauch dringt in unsere Nasen und Augen
und wir spüren den leichten Regen in der Menschenmasse
wir stehen hier und halten unser Gesicht in Richtung Himmel gestreckt
wir schließen die Augen und alles was wir müssen
alles was wir genau in diesen Moment tun sollten
ist diesen Moment zu genießen
das hier und jetzt
während wir angestrahlt werden
während die Schweißperlen auf unserem Gesicht glänzen
vollkommen verschwitzt im Sommerregen zwischen hunderten von Menschen
denn wenn wir das können
dann spüren wir ein leichtes kribbeln auf der Haut
dieses Kribbeln nennt sich Gänsehaut.
Gänsehaut vom Leben.

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